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Bericht in der Nordsee-Zeitung

Leicht bepackt in Richtung der Deponie

Mehr als 100 Bürger demonstrieren gegen die Erweiterung Grauer Wall – Bürgerinitiative sehr zufrieden

BREMERHAVEN. Eine saubere Sache, auch wenn es um Müll geht: Günther Flißikowski freute sich, dass gut 120 bis 140 Menschen zur Demonstration gegen die Deponie Grauer Wall gekommen sind. Zwei Wochen Vorbereitung, der Aufwand hat sich nach Meinung des Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Keine Erweiterung Deponie Grauer Wall“ (BIKEG) gelohnt.

Nordsee-Zeitung Demonstration der Bürgerinitiative gegen die Erweiterung  der Deponie Grauer Wall

In weißen Schutzanzügen und mit leichten Abfallsäcken bepackt, zogen die rund 120 Demonstranten vom Gesundheitsamt in der Wurster Straße zur Deponie Grauer Wall, um dort die Säcke aufzustapeln.
Foto Scheer

Vor dem Gesundheitsamt versammelte sich der Tross. Flißikowski und seine Mitstreiter verteilten nicht nur Ratschen und Pfeifen für die akustische Unterstützung, sondern auch weiße Schutzanzüge und 29 Mineralabfallsäcke. „Auf der Deponie werden 29 Abfallsorten der Deponieklasse III entsorgt, so ergibt sich die Anzahl der sogenannten Bigbags“, erklärt Flißikowski.

Schwer schleppen musste aber niemand. „In den Säcken sind Luftballons“, sagt der Vorsitzende. „Glasabfall aus E-Röhren“, „Kesselstaub“ und „Gleisschotter“ stand beispielsweise auf den Abfallsäcken. Während sich der Demonstrationszug über die Wurster Straße in Richtung Deponie Grauer Wall bewegte, skandierten die Teilnehmer: „Uns bleibt nur die Asche, das Geld hat Remondis in der Tasche!“ oder „Wann gibt es ein Ende mit dem Grauen Wall, diesem ach so skandalösen Fall?“.

Flißikowski freute sich, dass die Resonanz im vierten Jahr der BIKEG noch so groß ist. Zum Vergleich: Zur Demo gegen den Bau des Hafentunnels im Dezember 2013 waren gut 80 Bürger zusammengekommen – unter ihnen waren damals auch Deponiegegner. „Es ist ein Skandal, dass sie den Müll aus ganz Deutschland bei uns ablegen“, regte sich ein Demonstrant gestern auf. Der komme nicht nur aus Bremerhaven, sondern ganz aus Italien, schimpfte er.

An der Kreuzung Cherbourger Straße/Wurster Straße drehten die Demonstranten drei Runden – der Verkehr stand still, die Deponiegegner waren es nicht: „Remondis liefert gift’gen Müll, die Oberen halten alle still.“ Zu den „Oberen“ gehörte im Mai 2010, als der Magistrat den Beschluss zur Erweiterung der Deponie fasste, auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Paul Bödeker. Am Freitag mischte er sich mit seinem Fraktionskollegen Peter Skusa mit einem Transparent unter die Demonstranten: „50 Jahre Deponie Grauer Wall ist genug“.

Mit dieser Aufschrift spricht er Flißikowski aus der Seele. Es gehe nicht nur um die Erweiterung: „Die Stilllegung der Deponie ist die letzte Konsequenz.“ Ob er glaubt, dass er das schafft? „Zum Glauben gehe ich in die Kirche, ich strebe danach.“

Weiter ging es bis zur Deponie. Dort stapelten die Demonstranten die Bigbags auf einen Haufen. Es waren nur noch 27 Abfallsäcke. Zwei von den Riesen-Luftballons haben die Demonstration nicht überstanden.

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Quelle: Nordsee-Zeitung vom 25.01.2014 von Lili Maffiotte

NZ 20140125_Interview_red2

Demo gegen die Deponie geplant

SPECKENBÜTTEL. Die Bürgerinitiative „Keine Erweiterung Grauer Wall“ (BIKEG) plant zum Freitag, 24. Januar, eine Demonstration. Die Initiative möchte dabei 29 Abfalltaschen vom Gesundheitsamt an der Wurster Straße bis zur Deponie tragen. Die Taschen sollen die gefährlichsten zugelassenen Abfallsorten symbolisieren.

Die BIKEG erhofft sich, dass viele Bürger sie im Kampf gegen die „Giftmülldeponie“ unterstützen, denn ihrer Meinung nach zeigen sich die Behörden und die verantwortliche Politik gleichgültig gegenüber den Argumenten der BIKEG. „Jahrzehntelang hat die Stadt als Betreiber der Deponie diese Argumente verharmlost. Jahrzehnte hat sie der Bevölkerung versprochen, die Deponie stillzulegen. Seit sie aber die Deponie (und das Müllheizkraftwerk) an einen privaten Investor (Remondis) 2003 verkauft hat, geht es neben der Verharmlosung nur noch um ein profitables Geschäft“, schreibt die BIKEG.

Die Deponie Grauer Wall muss aufgrund einer neuen Gesetzgebung umgebaut werden. Sie darf nicht mehr als Kubus, sondern muss in Pyramidenform gebaut werden, damit das Regenwasser ablaufen kann. So erhöht sich der Müllberg fast auf das Doppelte – auf 52 Meter.

Wer bei der Demonstration eine der Abfalltaschen tragen möchte, kann sich mit der Bürgerinitiative in Verbindung setzen. Die Taschen selbst seien nicht schwer, verspricht der Vorsitzende Günther Flißikowski (Tel. 0152/ 08 89 30 64, Mail: g.flissikowski@nord-com.net.)

BIKEG erfreut über Teilerfolg
Unterdessen freut sich die BIKEG darüber, dass seit Anfang des Jahres keine Filterstäube mehr auf der Deponie gelagert werden und verbucht das als einen Teilerfolg. Auch die FDP sieht darin einen Erfolg der Bürgerinitiative. Dr Hauke Hilz, Landesvorsitzender der FDP Bremen, fordert ein generelles Ende der Einlagerung von Sondermüll auf der Grauwalldeponie: „Das Umdenken bei der Einlagerung der Filterstäube war überfällig.“

Bernd Schomaker, FDP-Stadtverordneter, ergänzt: „Die Regierenden müssen endlich die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen und Schaden von ihnen wenden. Allein der Verdacht der Gesundheitsgefährdung muss zu ernsthaften Untersuchungen führen.“ Nach Ansicht der Seestadtliberalen haben auf der Grauwall-Deponie Giftstoffe nichts zu suchen.

Quelle: Nordsee-Zeitung vom 15.01.2014

 

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